Graduiertenkolleg Ökonomik der Internationalisierung des Rechts
Aufgabenstellung des Graduiertenkollegs
Das zentrale Thema des Graduiertenkollegs "Ökonomik der Internationalisierung des Rechts" ist die Anwendung der Methoden und Konzepte der ökonomischen Analyse auf Fragestellungen des internationalen Rechts bzw. dessen Interaktion mit nationalem Recht.
Der Begriff der "Internationalisierung" bezeichnet die Tatsache, dass sich Rechtsnormen in immer geringerem Maße aus dem autonomen Wirken nationaler Gesetzgeber oder nationaler Gerichte erklären lassen, sondern in zunehmendem Maße international beeinflusst sind.
Als Quelle derartiger Einschränkungen nationaler Autonomie dienen zum einen bilaterale oder multilaterale völkerrechtliche Verträge. Darüber hinaus erweist sich auch das Wirken supranationaler Strukturen (EU, NAFTA etc.) sowie der internationale Wettbewerb zwischen den Nationen als Anbieter rechtlicher Dienstleistungen zunehmend als - zumindest mittelbare - Quelle rechtlicher Anpassungen.
Vor diesem Hintergrund bietet das Instrument der Ökonomischen Analyse des Rechts ein wirksames Werkzeug, um Wirkungen und Abläufe dieser indirekten Anpassungsprozesse zu analysieren und die zugrunde liegenden Motivationen und Interessen der Beteiligten aufzuzeigen. Auf gesetzgeberischer Seite bietet die ökonomische Analyse des Rechts die Möglichkeit, die (ökonomischen) Auswirkungen geplanter Gesetzesvorhaben aufzuzeigen sowie aus der Vielzahl der gesetzgeberischen Möglichkeiten diejenigen auszuwählen, die eine bestmögliche Verwirklichung der gesetzgeberischen Absicht gewährleisten.
Interdisziplinarität als wissenschaftliches Werkzeug
Die oben skizzierten Ziele erfordern ein vertieftes Verständnis sowohl der wirtschaftlichen Anreizstrukturen menschlichen Handelns als auch der Wirkungen und Grenzen legislativer Tätigkeit.
Das Graduiertenkolleg berücksichtigt diese Anforderungen mit der Auswahl seiner Doktoranden, die sich jeweils zur Hälfte aus ausgewählten Absolventen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften zusammensetzen. Durch gemeinsame Kurse, Seminare und Vortragsreihen bietet das Kolleg Absolventen beider Fachrichtungen die Möglichkeit, ihre Kenntnisse des jeweils anderen Fachgebiets zu vertiefen und die so gewonnenen Kenntnisse in ihre Dissertation einzubeziehen.
Auch im Hinblick auf die spätere Berufslaufbahn bietet die interdisziplinäre Ausbildung einen deutlichen Mehrwert für die beteiligten Doktorandinnen und Doktoranden. Juristinnen und Juristen mit fundierten ökonomischen Kenntnissen und Ökonomen, die ein vertieftes Verständnis für (völker-)rechtliche Zusammenhänge einzubringen vermögen, sind bislang selten. Gerade diese Fähigkeiten werden in Zukunft jedoch in der Forschung, in der Wirtschaft, der nationalen öffentlichen Verwaltung und bei europäischen und internationalen Organisationen vermehrt benötigt, insbesondere im Hinblick auf die fortschreitende internationale Vernetzung in fast allen Rechtsbereichen.
Hierbei können die Kollegiatinnen und Kollegiaten von den langjährigen Erfahrungen des Instituts für Recht und Ökonomik in der Doktorandenausbildung profitieren, die in das Betreuungs- und Qualifizierungskonzept für das Graduiertenkolleg eingeflossen sind.
Studieninhalt und -konzept
Das Graduiertenkolleg versteht sich als Leistungszentrum für wissenschaftlichen Nachwuchs. Um die notwendige interdisziplinäre Vernetzung zu unterstützen, bietet das Programm ein intensives begleitendes Lehrprogramm aus Vorlesungen, Seminaren und Vorträgen anerkannter internationaler Experten der jeweiligen Fachgebiete.
Weiterhin steht jedem Kollegiaten ein zweiköpfiges Mentoren- und Betreuerteam aus jeweils einem Professor der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften zur Verfügung, die eine optimale Unterstützung bei den jeweiligen Promotionsvorhaben ermöglichen.
Zuletzt wird den Kollegiaten frühzeitig die Möglichkeit geboten, ihre wissenschaftlichen Ergebnisse auf Tagungen, Workshops und Symposien vor einem Fachpublikum vorzustellen und dabei Erfahrungen und Kontakte im wissenschaftlichen Umfeld zu sammeln. Zusammen mit den im Graduiertenkolleg fest verankerten Weiterbildungs- und Career-Center-Angeboten der Universität Hamburg werden die Kollegiaten so bereits frühzeitig auf die Phase nach der Promotion vorbereitet.
Volles Stipendium für die Dauer der Promotion
Alle Kollegiaten werden als Stipendiaten der Deutschen Forschungsgesellschaft mit monatlich 1.365,00€ nebst einem Büchergeld in Höhe von 103,00€ unterstützt. Daneben bestehen besondere Unterstützungsangebote für Doktoranden/Doktorandinnen mit Kindern.
Standortvorteil Hamburg
Auf dem Gebiet der ökonomischen Analyse des Rechts hat sich der Standort Hamburg im letzten Jahrzehnt zu einem internationalen Kompetenzzentrum entwickelt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der Universität Hamburg sowie der Bucerius Law School und des Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht haben in diesem Bereich auf höchstem Niveau geforscht und publiziert. Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses wurde hierbei konsequent unter Einbeziehung internationaler Kooperationspartner ausgeweitet.
Gleichzeitig haben sich die transnationalen Rechtsbeziehungen als Kristallisationspunkt der Forschung an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg herausgebildet. Dies schlägt sich in der strategischen Ausrichtung der rechtswissenschaftlichen Fakultät nieder, welche auch zukünftig einen Forschungsschwerpunkt auf die Ordnungsaufgaben des Rechts unter den Bedingungen von Ökonomisierung und Globalisierung setzt.



