Promotionsfeier
Mittwoch, 4. Mai 2011
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Längst ist es üblich geworden an der Fakultät für Rechtswissenschaft: Am ersten Mittwoch im Mai findet die alljährliche Promotionsfeier statt, auf der die Urkunden für die erfolgreich abgeschlossenen Promotionsvorhaben ausgehändigt und die doctores verabschiedet werden. Zugleich erhalten die drei besten Arbeiten eine Auszeichnung. So sollte es auch am 4. Mai 2011 sein.
Nach einer musikalischen Eröffnung der Feier im Rechtshaushörsaal durch Fuluk Liu (Klavier) und ihre Schwester Lisa Taiyang Liu (Violine) begrüßte Dekan Prof. Dr. Tilman Repgen die zahlreich erschienenen Doktorandinnen und Doktoranden und ihre Angehörigen.
Der heutige Tag sei für die Meisten der wohl endgültige Abschied aus der akademischen Welt auf dem Weg in die Praxis, bemerkte Repgen gleich zu Beginn seiner Ansprache. Doch gerade die "causa Guttenberg" hätte diese akademische Leistung in ein schlechtes Licht gerückt. So drängt sich die Frage auf, mit welcher Absicht diese (zumeist dreijährige) Zusatzleistung nach Abschluss der Staatsexamina tatsächlich verfolgt worden ist. Pro gradu oder pro loco, also nur des Titels oder der Wissenschaft wegen?
Das jeweilige Handlungsmotiv der neuen Titelträger bleibt selbstverständlich ungeklärt. Eines ist jedoch klar: Es waren die eigenen Mühen bzw. die eigene Leistung, die in "dieser besonderen, intensiven akademischen Zeit" gefragt war. Gleichsam beanstandete Repgen, dass im öffentlichen Dienst bei der Einstellung der Beamten dieses "erhebliche Qualifikationspotential" der erfolgreichen Promotion anscheinend wenig rational behandelt und zu wenig berücksichtigt werden würde.
Anschließend folgte ein Festvortrag von Prof. Dr. Hans-Peter Haferkamp aus Köln zur Jurisprudenz. Haferkamp hieß die doctores herzlich willkommen in der neuen Wirklichkeit, denn der Elfenbeinturm, den es während der Promotion zu besteigen galt, sei nun verlassen. "Bei mir war das damals so. Ich wollte am liebsten gleich mit der nächsten Promotion anfangen" erklärte Haferkamp seine ganz persönliche Erfahrung in diesem Lebensabschnitt.
Daraufhin stellte Haferkamp den Wandel der Jurisprudenz anhand des Begriffs "Bedürfnisse" vor, der in den vergangenen mehr als 200 Jahren in vielen Arbeiten von Persönlichkeiten wie Puchta oder Savigny unterschiedlich aufgefasst wurde, und knüpfte dabei an philosophische Methoden wie der Erkenntnistheorie von Kant an. In seinem Vortrag warf Haferkamp mehrere Fragen nach dem Sinn der Welt und der Wirklichkeit auf: "Recht entsteht in einer dunklen Werkstätte der Wirklichkeit" sowie die "Wirklichkeit zu bewerten heißt die Wirklichkeit einem Wert zu unterwerfen" seien erste Thesen. Doch wie sollen diejenigen in der Rechtsprechung die Wirklichkeit bewerten, wenn sie in einer unwirklichen Wirklichkeit leben? Schließlich könne nur das eigene Umfeld eine Referenz der Realität darstellen, doch wenn dieses von der Wirklichkeit abweicht? Hierfür nannte er auch sodann ein Beispiel: Wie soll der Richter am OLG, dessen Tochter Klavierunterricht von einer chinesischen Klavierlehrerin erhält, über Arbeitsbedingung einer russischen Immigrantin in der harten Realität des Alltags entscheiden? Mit diesen und weiteren offenen Fragen schloss er seinen Vortrag ab und wünschte allen doctores viel Erfolg beim weiteren Werdegang.
Danach wurden die Namen der 69 Doktorandinnen und Doktoranden sowie die Titel ihrer jeweiligen Dissertation verlesen sowie die Ehrengäste auf die Bühne gebeten wurden, um ihre Urkunde entgegen zu nehmen. In Anschluss hieran wurden die drei herausragenden Doktoranden mit einer Auszeichnung geehrt und konnten ihrerseits kurz die jeweilige Dissertation vorstellen.
Für ihre herausragende Arbeit mit summa cum laude wurden geehrt:
- 1. Platz – Stefanie Bock, "Das Opfer vor dem Internationalen Strafgerichtshof"
- 2. Platz – Hildrun Siepmann, "Selbstbehalt bei Verbriefungen – Institutionenökonomische Analyse, rechtliche Rezeption und effektive Umsetzung"
- 3. Platz – Arne Pilniok, "Gouvernance im europäischen Forschungsförderverbund: Eine rechtswissenschaftliche Analyse der Forschungspolitik und Forschungsförderung im Mehrebenensystem"
Weitere Informationen zum Promotionspreis finden Sie hier.
Den Abschluss der Veranstaltung im Rechtshaushörsaal bereitete ein kurzes Stück von Chopin in F-Dur gespielt am Klavier von Fuluk Lui, bevor der frühe Nachmittag im Gästehaus der Universität – einen Steinwurf vom Rechtshaus entfernt – bei einem Glas Sekt und "fingerfood" bei informellen Gesprächen mit Familienangehörigen und Kolleginnen und Kollegen ausklingen konnte.
Und so ging ein gelungener Tag langsam seinem Ende entgegen und für viele rückte der Abschied von der Universität, dem Bücherturm und von vielen Kontakten und Freunden tatsächlich ein Stück näher.



