"Ist Jura der richtige Studiengang für mich?"

von Lisa Steppat

Ein Thema, das viele Abiturienten quält und beschäftigt, ist ganz eindeutig die immer wiederkehrende Frage nach dem Berufswunsch. Dass viele Studiengänge für die meisten Abiturienten nur abstrakte Begriffe sind, ohne dass man weiß, was sich hinter dem jeweiligen Studium inhaltlich verbirgt, macht es nicht leichter.

Und so habe auch ich mich gefragt, was genau sind denn eigentlich die Rechtswissenschaften? Natürlich hatte ich eine grobe Idee, welche Aufgaben im Berufsfeld der Anwälte, Richter und Staatsanwälte ausgeführt werden, jedoch hatte ich keine genaue Vorstellung davon, was mich während des Studiums erwarten würde. Mit dieser kleinen Ungewissheit startete ich also ins Studium und ließ mich einfach „überraschen“. Schnell konnte ich feststellen, dass ich mich auf einen langen, zeitweise auch mal sehr steinigen Weg begeben hatte. Die klassische Juristenausbildung umfasst zwei Staatsprüfungen und ein zweijähriges Referendariat, sodass es verglichen mit einem Bachelor-/Masterstudiengang sehr langwierig ist. Zudem ist Jura ein sehr lernintensiver Studiengang. Um gleich mal ein paar Irrglauben zu entkräften, sollte ich aber erwähnen, dass „lernintensiv“ jedoch keineswegs mit „sturem Auswendiglernen von Gesetzen“ gleichzusetzen ist. Natürlich weiß man mit der Zeit ganz grob, was in den häufig angewendeten Gesetzen ungefähr steht, jedoch tragen wir die dicken roten Gesetzestexte ja mit uns herum, um mit ihnen zu arbeiten und nicht um sie auswendig zu lernen.

Was genau also macht man in einem universitären Jurastudium? Größtenteils lernen wir Fälle zu lösen, das heißt Lebenssachverhalte juristisch zu beurteilen. Dazu üben wir die Anwendung und Auslegung der Gesetze. Dabei versuchen wir systematisch alle möglichen Lösungen zu erfassen, um den Sachverhalt umfassend beurteilen zu können.  Während die theoretischen Inhalte größtenteils in den Vorlesungen vermittelt werden, wird die Fallbearbeitung in den Arbeitsgemeinschaften erlernt und geübt. Die Arbeitsgemeinschaften finden dabei in Kleingruppen von 15-30 Personen statt, sodass eine intensive Betreuung stattfinden kann, während Vorlesungen von bis zu ca. 200-300 Kommilitonen besucht werden. Da jedoch in einer Vorlesung Schwerpunkte gesetzt werden, also einiges nur kurz angerissen oder auch mal ganz ausgelassen wird, erfordert das Jurastudium viel Arbeit in Eigenregie. Das bedeutet, dass diejenigen, die nicht gerne lesen, es sehr schwer haben werden. Das Studium ist im Allgemeinen mit viel Lese- und Schreibarbeit verbunden. Wer beim Gedanken an das Lesen vieler Bücher oder das Schreiben von Texten in Form von Gutachten eher ein ungutes Gefühl hat, sollte es sich also genau überlegen mit einem Jurastudium. 

Die Prüfungen bestehen größtenteils aus Klausuren und Hausarbeiten. Die Klausuren erfordern zumeist eine Falllösung in Form eines Gutachtens, können sich aber auch mal aus Fragen zusammensetzen und sind in der Regel zwei- bis dreistündig. In Klausuren ist lediglich die Arbeit mit dem Gesetz erlaubt. Hausarbeiten erstrecken sich hingegen über einen Bearbeitungszeitraum von vier bis fünf Wochen und fordern eine umfassende Fallbearbeitung. Hierbei wird in erster Linie neben der reinen Falllösung, wie sie in Klausuren vorgenommen wird, eine umfassende Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Literatur erwartet. Erwähnenswert ist dabei die Bewertung der Prüfungen an einer juristischen Fakultät. Es gibt eine Punkteskala von 0-18 Punkten, wobei man 4 Punkte braucht, um eine Prüfung zu bestehen. Jedoch wird die Punkteskala zumeist nicht vollends ausgeschöpft. Wer es schafft eine zweistellige Punktzahl zu erreichen, der hat schon eine sehr gute Leistung abgelegt. Deshalb darf man nicht erwarten, dass man seine guten Noten aus der Schule im Laufe des Studiums mal eben so beibehält. Vielmehr muss man in einer Prüfung schon relativ viel richtig gelöst haben, um überhaupt die 4 Punkte zu erreichen. Zumal die Durchfallquoten zumeist bei 30-40 % oder sogar mehr liegen.

Man sollte sich also klar machen, dass Jura kein einfacher Studiengang ist, sondern einem ganz im Gegenteil viel Disziplin und Ehrgeiz abverlangt. Nichtdestotrotz habe ich mich nicht entmutigen lassen von all den Mythen und Ängsten, die das Jurastudium  und insbesondere die Staatsprüfungen umgeben, und fühle mich mit meiner Entscheidung, Jura zu studieren, sehr wohl. Ich bin durchaus der Meinung, dass man diesen Weg erfolgreich beschreiten kann, wenn man mit dem richtigen Ehrgeiz an die Sache heran geht und Jura im weitesten Sinne den späteren Berufswunsch ermöglichen kann.