HEX - Hamburger Examenskurs

Examen ohne Rep

Zu Beginn der Examensvorbereitungsphase gilt es für die meisten Studierenden eine entscheidende Frage zu klären: kommerzielles Repetitorium oder fakultätseigener Examenskurs? An der Fakultät für Rechtswissenschaft in Hamburg bietet sich für letzteres der HEX an.

Examensvorbereitung ohne Rep ist für die meisten nur schwer vorstellbar. Dennoch entscheiden sich immer wieder einige Studierende dafür, diesen Weg zu gehen. Um dabei erfolgreich zu sein, gilt es ein paar wichtige organisatorische, persönliche und inhaltliche Aspekte zu berücksichtigen: lerne ich alleine oder gemeinsam in einer AG, wie finde ich die Kommilitonen, die mit mir gemeinsam lernen, wie finde ich das geeignete Lernmaterial und wie bewältige ich die Masse des examensrelevanten Wissens?

Nachfolgend haben wir die Erfahrungen und Tipps einer privaten Lerngruppe zusammen gestellt, die sich 2009/10 auf die staatliche Pflichtfachprüfung vorbereitet hat. Der Lernplan kann auch anderen Privat-AGs als Anregung dienen. Er ist aber natürlich ganz individuelle abänderbar.


Wir danken dafür unseren ehemaligen Studierenden Jan Hövermann, Malte Kröger, Fuluk Liu und Elsa Mein.

Weitere Erfahrungsberichte können an dieser Stelle veröffentlicht werden. Ihren Bericht und ggf. Ihren Zeit- und Lernplan senden Sie bitte zunächst per Email ein. Wir nehmen dann schnellst möglich mit Ihnen Kontakt auf.

Examensvorbereitung in der Lerngruppe - ein Beispiel

An dieser Stelle soll ein Beispiel einer Examensvorbereitung ohne kommerzielle Repetitorien kurz präsentiert werden. Die Lerngruppe traf sich zwischen Oktober 2009 und Oktober 2010 zur Vorbereitung der schriftlichen Prüfung im Ersten Juristischen Staatsexamen in Hamburg. Die Lerngruppe bestand aus insgesamt vier Perosnen, die sich schon seit längerer Zeit kannten. Eine solche Lerngruppe sollte mindestens drei, höchstens fünf Mitglieder haben. Ideal ist es, wenn man bereits im Grund- und Hauptstudium in einer Arbeitsgemeinschaft gemeinsam gelernt hat und eine solche Arbeitsgemeinschaft während der Examensvorbereitung fortsetzen kann.

Planung

Entscheidend für eine gelungene Examensvorbereitung ist ein durchdachter Zeit- und Lernplan. Die Gruppe hatte sich einen Rahmen von 12 Monaten für die komplette Examensvorbereitung gesetzt. Der Lernstoff sollte zweigleisig behandelt werden, d. h. jeweils nur zwei Themen aus zwei verschiedenen Rechtsgebieten pro Woche. Hierin unterschied sich die Vorbereitung von der gängigen dreigleisigen Struktur von Repetitorien. Dadurch konnten diese zwei Themen konzentriert bearbeitet werden. Aufgrund der hohen Bedeutung des Zivilrechts im Examen (in Hamburg sind von den insg. sechs Klausuren zwei aus dem "allgemeinen" Zivilrecht und eine aus dem Handels- und Gesellschaftsrecht) war ein wöchentlicher Termin immer diesem Bereich gewidmet.
Der Lehrplan wurde anhand der Hamburger Prüfgegenständeverordnung in der Fassung vom 18.12.207 aufgestellt. Zur genauen Aufteilung des Stoffe auf die jeweiligen Wochen wurden Lehrbücher als Hilfsmittel verwendet. Regelmäßige Pausen bereits in der Planungsphase vorzusehen, darf nicht unterschätzt werden. Der so aufgestellte Plan wurde aber noch während der Examensvorbereitungsphase angepasst. Er erhebt also keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder ein bestens austariertes didaktisches Konzept. Es ist vielmehr das tatsächliche Ergebnis der Planung und Durchführung der hier beschriebenen Arbeitsgemeinschaft. Die Themenblöcke können durchaus unterschiedlich angeordnet oder gewichtet werden. Die Blöcke sollten aber nicht an sich auseinander gerissen werden. Bei der Vorbereitung im Zivilrecht sollte man sich durchaus an der gesetzlichen Systematik orientieren. Der berühmte Überblick über das Recht und der systematische Zusammenhang stellen sich in der Regel im Laufe des Lernprozesses von selbst ein. Das Puzzle ergibt dann ein Bild, wenn die Einzelteile zusammengefügt sind. Übungsfälle und spezielle Übungslehrbücher konnten uns hier nur eine hilfreiche Stütze sein (der Nutzen beispielsweise des Medicus/Petersen für das Zivilrecht und des Frenz für das Öffentliche Recht sind jedoch unbestreitbar.). Trotz gelegentlich notwendiger Anpassungen sollte der Plan als feste Arbeitsgrundlage dienen. Gerade der zeitliche Rahmen sollte nicht leichtfertig verändert werden. Schließlich wurden feste Regeln für die Arbeit in der Gruppe vereinbart, die auf den ersten Blick recht banal wirken, für das Funktionieren einer mindestens einjährigen Arbeitsgemeinschaft aber essentiell sind. Dazu gehören organisatorische Punkte wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, gegenseitige Rücksichtnahme und Respek aber auch die stete und aktive Mitarbeit aller Gruppenmitglieder während der Treffen der Arbeitsgemeinschaft und im eigenen Lernen.

Während der Examensvorbereitung

Die Lerngruppe traf sich zweimal in der Woche für jeweils ca. vier Stunden, ein Termin für das Zivilrecht, der andere für Strafrecht oder Öffentliches Recht. Die Termine wurden jeweils von einem Gruppenmitglied vorbereitet und angeleitet, d.h. jedes der vier Mitglieder hatte alle zwei Wochen eine Gruppenstunde vorzubereiten. Der Schwerpunkt der Arbeitsgemeinschaft sollte deutliche auf der Falllösung liegen. Versuche, aktuelle Entscheidungen oder Abfragerunden in die Arbeitsgemeinschaft einzubauen, waren im Hinblick auf das Gruppenformat eher weniger erfolgreich. Die systematische Erarbeitung des Lernstoffs war jeder und jedem Einzelnen selbst überlassen.
Im Zentrum der Gruppentermine stand - wie bereit erwähnt - die Übung  der Fallarbeit. Da am Ende ein Klausurexamen steht, ist Stoffkenntnis ohne Klausurtechnik nicht viel wert. Ein inhaltlich passender Fall auf Examensniveau, der von eine Gruppenmitglied zuvor ausgewählt und bearbeitet worden war, wurde nach einer kurzen EInführung in das Wochenthema ausgegeben. Die übrigen Gruppenmitglieder arbeiteten in etwa einer Stunde eine eigene Lösungsskizze aus. Danach wurde die Lösung gemeinsam unter Anleitung des jeweils zuständigen Gruppenmitglieds besprochen. Unter Anleitung ist hier insbesondere die strukturierte Führung durch die Falllösung zu verstehen. Bestenfalls wurden auch alternativ angedachte Lösungswege nicht sofort als falsch, da "so nicht in der Lösung zu finden", verworfen, sondern weiterentwickelt und auf ihre Folgerichtigkeit überprüft. Für die Gruppenmitglieder hatte diese Form der Arbeitsgemeinschaft den Vorteil, dass sie eine eigene Lösung erarbeiten mussten, im mündlichen Austausch mit den anderen Gruppenmitgliedern ihre juristische Argumentationsfähigkeit  schulen und ihre eigenen Denkansätze mit denen der anderen Mitglieder vergleichen konnten. Auch für den Anleitenden oder die Anleitende hatte dies einen positiven Effekt. Damit bekam man ein Gefühl für bestimmte "Fehlerquellen" und in der Klausur abverlangte juristische Problemkomplexe.

Zeit- und Lernplan

Literatur zur Examensvorbereitung ohne Rep

  • Deppner/Lehnert/Rusche/Wappler, Examen ohne Repetitor: Leitfaden für eine selbstbestimmte und erfplgreiche Examensvorbereitung, 3. Aufl. (2011)
  • Lange, Jurastudium erfolgreich: Planung - Lernstrategie - Zeitmanagement (mit Examensvorbereitung), 6. unveränderte Aufl. (2011)

Finden einer Lerngruppe an der Fakultät

Manchmal ist es nicht so einfach, geeignete Lernpartnerinnen und -partner zu finden. An der Fakultät bieten sich - neben dem klassischen Aushang - die folgenden zwei Möglichkeiten an, um fündig zu werden: