von Prof. Dr. Robert Freitag und Kirsten Seeger
Sachverhalt
Die hny GmbH betreibt ein Unternehmen für Internetdienstleistungen. An der GmbH mit einem Stammkapital von € 50.000 sind die Schwestern Brünnhilde (B) und Rossweiße (R) zu je 50 % beteiligt, Geschäftsführerin ist Grimgerde (G). Im Januar 2009 erwirbt G für die GmbH vom Händler Alberich einen neuen Server zum Preis von € 500.000, wobei G den Kaufpreis vollständig aus einem bei der S-Bank aufgenommenen Darlehen finanziert. Als aufgrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise lukrative Werbeaufträge ausbleiben, verschlechtert sich die finanzielle Lage der GmbH rapide. B sieht ihren sorglosen Lebensabend auf einer griechischen Insel in Gefahr und beschließt ‑ ohne die gutmütige R einzuweihen ‑, das Unternehmen ohne die belastenden Schulden weiterzuführen. Anfang Mai 2009 gründet B daher die hny internet services GmbH, die den Geschäftsbetrieb der hny GmbH fortführen soll und bestellt ihren Vater Wotan (W), der von ihren Plänen nichts weiß, zum Geschäftsführer. Nach einer von G einberufenen Mitarbeiterversammlung, in deren Verlauf sie den Angestellten den Ernst der Lage erläutert und die Möglichkeit einer Weiterbeschäftigung bei der hny internet services GmbH erwähnt, kündigen alle Mitarbeiter der hny GmbH fristlos und werden von W im Namen der hny internet services GmbH angestellt. Den teuer erstandenen Server, der zu diesem Zeitpunkt noch einen Wert von € 450.000 aufweist, veräußert G auf Anweisung von B zum symbolischen Wert von € 1 an die hny Internet Services GmbH. Ebenfalls auf Anweisung von B übergibt G neben dem Server auch die in der Bilanz korrekt mit einem Wert von € 50.000 ausgewiesene Kundenkartei der hny GmbH an W, dem sie glaubhaft versichert, weder Server noch Kartei würden noch einen nennenswerten Wert haben. So ausgestattet nimmt die hny internet services GmbH ihre Geschäftstätigkeit im Bereich der Internetdienstleistungen auf und entwickelt sich zu einem florierenden Unternehmen. Daraufhin veräußert B im August 2009 die hny internet services GmbH für 1 Mio. € an ihre Cousine Woglinde. Die hny GmbH, der nach den Aktionen von G kein nennenswertes Vermögen verbleibt, kann dagegen bereits im Juni 2009 die vereinbarten Darlehensraten nicht mehr begleichen. Die Darlehensschuld beträgt zu diesem Zeitpunkt noch € 450.000. Weitere Verbindlichkeiten hat die hny GmbH nicht. Ein von der S-Bank noch im selben Monat gestellter Insolvenzantrag gegen die hny GmbH wird mangels Masse abgelehnt. Der S-Bank kommt das Vorgehen der B seltsam vor. Sie fragt daher ihren Anwalt Siegfried, welche Möglichkeiten sie hat, doch noch an ihr Geld zu kommen.
Bearbeitervermerk: Prüfen Sie gutachterlich sämtliche Möglichkeiten, die der Bank offenstehen. Dabei ist davon auszugehen, dass Server und Kundenkartei nach wie vor einen Wert von € 450.000 respektive € 50.000 aufweisen.
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