Rückblick: "Zurück im Rechtshaus" - Ein Abend mit Olaf Scholz
16. September 2026, von Internetredaktion

Foto: UHH/Fakultätsclub
Am Montag, den 18. Mai 2026, kehrte Olaf Scholz, Studienjahr 1978, Bundeskanzler a.D., an die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Hamburg zurück, eingeladen vom Rechtswissenschaftlicher Fakultätsclub der Universität Hamburg e.V. im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Zurück im Rechtshaus”.
Ein Meet & Greet im Rechtshaus
Den Auftakt bildete um 16:30 Uhr ein Meet & Greet im Konferenzraum der Fakultät. In persönlichem Rahmen kamen dort engagierte Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Ehemalige mit Herrn Scholz ins Gespräch. Es entstand ein lebhafter Gedankenaustausch, der thematisch bereits weit in den Abend vorgriff.
Scholz nutzte die Begegnung, um eines seiner bildungspolitischen Anliegen zu erläutern: die seiner Meinung nach systematische Unterschätzung des Staatsangehörigkeitsrechts in der deutschen Migrationsdebatte. Als Erster Bürgermeister Hamburgs habe er, so berichtete er, einen langjährigen Traum umgesetzt. Alle Ausländerinnen und Ausländer, die seit mehr als acht Jahren in Hamburg lebten, erhielten ein persönliches Schreiben aus dem Bürgermeisterbüro mit der Einladung, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Das Ergebnis war ein großer Erfolg, begleitet von Einbürgerungsfeiern im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses, die vier bis fünf Mal im Jahr stattfanden. Dass diese Politik nicht ohne Erfolg geblieben ist, zeigte sich am Nachmittag unmittelbar. Ein besonderer Moment des Nachmittags war das Wiedersehen mit der Jurastudentin Muskan Kakkar. Als Hamburger Bürgermeister hatte Scholz ihr vor zehn Jahren persönlich die Einbürgerungsurkunde überreicht. Nun begegneten sie sich erneut im Rechtshaus. Ebenfalls anwesend war Prof. Hans Peter Bull, 89 Jahre alt, langjähriger Professor der Fakultät und Zeitzeuge der Reformdebatte, die den Abend begleiten sollte.
Im Gespräch mit der Studierendenschaft: die juristische Ausbildung als Reformprojekt
Um 18:00 Uhr eröffnete der Moderator Malte Deutschmann (Jahrgang 2020) das Gespräch im vollbesetzten Rechtshaushörsaal. Nach einführenden Worten von Universitätspräsident Prof. Dr. Hauke Heekeren ergab sich eine Unterhaltung, die in ihrer Essenz weit über das Biografische hinausging.
Einstufige Juristenausbildung: Bekenntnis und Erinnerung
Bemerkenswert waren Scholz Aussagen zur einstufigen Juristenausbildung, der er am Hamburger Fachbereich Rechtswissenschaft II angehört hatte. Er räumte freimütig ein, dass seine Entscheidung für diesen Fachbereich seinerzeit keineswegs das Ergebnis einer langen Abwägung war, einige Bekannte hatten ihm zugeredet und so sei er dabei gelandet. Eine glückliche Zufälligkeit, wie er mit Nachdruck betonte. Denn was ihn an dieser Ausbildung am meisten geprägt habe, war – wie er es selbst formulierte – der Reformeifer der Professorinnen und Professoren, der sich unmittelbar auf die Studierenden übertragen habe. Er habe nie an einer Lehrveranstaltung mit mehr als dreißig bis vierzig Teilnehmenden teilgenommen. Einen Repetitor habe er nie besuchen müssen. Die Ausbildung habe ihn so vorbereitet, dass externe Paukstationen schlicht überflüssig waren. Dabei half auch die institutionelle Struktur. Eine Regelstudienzeit mit Zwangsexmatrikulation, so Scholz mit einem Schmunzeln, habe dafür gesorgt, dass man immer wieder an die Universität zurückgekehrt sei, auch dann, wenn man nebenbei stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos war und andere Dinge im Kopf gehabt hatte.
Die Studierendenschaft im Gespräch
Abschließend stellte sich Olaf Scholz in einer offenen Fragerunde den Fragen der Studierenden. Wie ist Scholz in seiner Regierungszeit mit Rückschlägen und Druck umgegangen und was können Studierende für ihren eigenen Weg daraus mitnehmen? Wie können die Menschen in diesem Land die Hoffnung in die Zukunft zurückgewinnen, in einer Zeit, in der viele wenig Anlass dazu zu sehen scheinen? Es waren Fragen, die nicht auf politische Positionierung zielten, sondern auf Haltung und die Scholz sichtlich ernst nahm. Nicht zuletzt lag die stille Inspiration darin, dass jemand, der einst selbst auf den Bänken der Universität saß, nun als Bundeskanzler a. D. vor den Studierenden stand – ein Zeichen dafür, was aus einem Studium erwachsen kann. Dieser Abend war kein Monolog, sondern ein echtes Gespräch zwischen den Generationen.
Dank
Der Rechtswissenschaftliche Fakultätsclub e.V. dankt dem Präsidium der Universität Hamburg, namentlich Herrn Präsidenten Prof. Dr. Hauke Heekeren, sowie der Fakultät für Rechtswissenschaft, namentlich Herrn Prof. Dr. Repgen und natürlich Herrn Scholz, für den gelungenen Abend. Wir freuen uns auf die nächste Ausgabe von „Zurück im Rechtshaus“.
Der Rechtswissenschaftliche Fakultätsclub der Universität Hamburg e. V. ist der Alumni- und Förderverein der Fakultät für Rechtswissenschaft. Die Veranstaltungsreihe „Zurück im Rechtshaus“ lädt herausragende Absolventinnen und Absolventen zu einem persönlichen Abend im Austausch mit der heutigen Studierendenschaft ein.

