Neue Erkenntnisse aus MOTRA zur Entwicklung der Verbreitung von Radikalisierung, Intoleranz und politischen Extremismen in Deutschland 2021-2025
11. März 2026, von Internetredaktion
Am 4. und 5. März wurden auf der zentralen Jahreskonferenz des MOTRA Forschungsverbundes, der motra-k#26, die in Wiesbaden an der Hochschule Fresenius stattfand, neueste Befunde zur Entwicklung des politischen Extremismus und der Radikalisierung in Deutschland vorgestellt und diskutiert. Wesentliche Teile der dort präsentierten Erkenntnisse stammen aus den bundesweit repräsentativen Befragungen „Menschen in Deutschland“ (MiD) sowie „Menschen in Deutschland: International“ (MiDInt), die durch die Forschungsteams am Institut für Kriminologie an der Fakultät für Rechtswissenschaft (Prof. Dr. Wetzels/Prof. Dr. Brettfeld) in Kooperation mit dem German Institute for Global and Regional Studies (Prof. Dr. Richter) durchgeführt werden.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Zuwächse der Verbreitung von Vorurteilen und Intoleranz sowie eine vermehrte Akzeptanz und Offenheit für ideologisch unterschiedlich eingebettete Formen rigider, autoritaristischer politischer Einstellungen, insbesondere mit Blick auf rechtsextreme und islamistische Positionen, unter den Menschen in Deutschland. Gewachsen sind parallel dazu auch damit in Zusammenhang stehende Besorgnisse und Bedrohungsgefühle. Politischer Extremismus ist insofern weiterhin ein hoch relevantes Thema.
So ist beispielsweise die Rate der Menschen, die rechtsextremen Ideologien gegenüber offen sind, von 21,8% im Jahr 2021 auf 29,6% im Jahr 2025 gestiegen. Ähnlich hat auch die Offenheit gegenüber islamistischen Positionen von 20,0% im Jahr 2021 auf 30,0% im Jahr 2025 zugenommen. Ferner hat sich die Rate der Menschen mit manifesten, d.h. stark ausgeprägten Formen antisemitischer Vorurteile von 3,5% im Jahr 2021 auf 7,5% im Jahr 2025 etwa verdoppelt. Auffällig und für die politische Bildung sehr bedeutsam ist weiter, dass solche Zunahmen und ausgeprägt hohen Raten vor allem in den jüngeren Altersgruppen zu finden sind.
Diese Trends auf der Einstellungsebene werden durch die Daten der polizeilich registrierten politisch motivierten Kriminalität (PMK) bestätigt: Mit 100,7 Delikten pro 100.000 Einwohnern wurde 2024 ein neuer Höchststand registriert. Dieser ansteigende Trend in der PMK setzte sich auch 2025 fort. Unter anderem wurden seit 2020 erhebliche Zuwächse der Anzahl polizeilich registrierter Opfer politisch motivierter Gewalt verzeichnet. Hier ist seit 2019 zudem ebenfalls ein allmählicher Rückgang des Alters der betroffenen Opfer zu registrieren. Insoweit scheinen die vielfältigen Krisenerscheinungen der letzten Jahre bei jüngeren Erwachsenen in besonderem Maße ihren Niederschlag zu finden.
Andererseits ist aber mit einer Rate von 85,6%, trotz aller Krisen und Vertrauensverluste, die Mehrheit der Bevölkerung positiv zu grundlegenden Prinzipien einer liberalen, rechtsstaatlichen Demokratie eingestellt. 14,4% sind 2025 hingegen als demokratiedistant einzustufen. Hier zeigt sich ein leichter Rückgang gegenüber dem 2023 gemessenen bisherigen Höchststand von 16,1%.
ne Zusammenstellung der zentralen Erkenntnisse wurde im Hauptvortrag u.a. von Frau Prof. Dr. Brettfeld vorgestellt. Dieser ist hier online verfügbar. Ausführlichere Darstellungen zu den Ergebnissen der verschiedenen Teilprojekte des MOTRA Forschungsverbundes finden sich im MOTRA-Monitor 2024/2025, der auch online zugänglich ist. Die Trends speziell im Bereich politischer Einstellungen, die sie sich aus der Studie „Menschen in Deutschland“ ergeben, sind dort in einem längeren Beitrag im Einzelnen dargestellt, der hier ebenfalls zum Download bereitgestellt wird.
